Solidarischer Weg aus der Krise
(03.02.2012) Die Europäische Union ist in der größten Krise seit ihrem Bestehen. Diese Krise kann nur gemeinsam…
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mehr(03.02.2012) Bei jedem abgefahrenen Außenspiegel hebt der Bundestag zunächst die Immunität auf, bevor der…
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Ohne Zweifel: Lesben und Schwule können heute so frei leben wie nie zuvor. Die Lesben- und Schwulenbewegung hat viel erreicht. Wir Grüne sind stolz darauf, dass uns mit dem Lebenspartnerschaftgesetz eine kleine Kulturrevolution in Sachen gesellschaftlicher Akzeptanz gelungen ist. Vor 40 Jahre drohte homosexuellen Paaren in der Bundesrepublik noch Knast, heute steht ihnen das Standesamt offen.
In Umfragen zeigt sich die Mehrheit der Gesellschaft heute tolerant. Das ist ein gewaltiger Fortschritt. Aber immerhin ein Drittel der Bevölkerung macht kein Hehl daraus, Homosexualität unmoralisch und ekelhaft zu finden. In manchen Szenen gilt es wieder als cool, offen gegen Homos zu hetzen. Wer hätte vor wenigen Jahre gedacht, dass jemand wie Bushido mit Texten wie „Berlin wird wieder hart, wir verkloppen jede Schwuchtel“ zum Jugendidol aufsteigen könnte? Weghören gilt nicht, wenn gegen Minderheiten gehetzt wird.
Beim Kampf gegen Homophobie geht es um Freiheit! Um das Recht, jederzeit und an jedem Ort ohne Angst anders sein zu können. Homophobie gehört wie Rassismus oder Antisemitismus zu den verdichteten Ausprägungen von Menschenfeindlichkeit. Homophobie ist Gift für das gesellschaftliche Klima. Dennoch bleibt es um das Thema merkwürdig still. Antihomosexuelle Gewalt ist alltäglich, der öffentliche Aufschrei bleibt aber zumeist aus.
In Frankreich haben auch konservative Politiker wie Chirac oder Sarkozy dezidiert ihre Abscheu über homophobe Gewalttaten geäußert. Warum gab es von der Bundeskanzlerin noch nie ein entsprechendes Signal der Empörung? Innenminister Schäuble wird nicht müde, tägliche neue Gefährdungsszentarien aller Art für die Innere Sicherheit heraufzubeschwören. Warum äußert er sich nie zur realen Bedrohung durch antihomosexuelle Gewalt? Wir wissen: Reden hilft. Begegnung und Dialog helfen, Vorurteile abzubauen. Umso verantwortungsloser ist das Schweigen der Bundesregierung. Wir Grüne wollen eine gesellschaftliche Offensive gegen Homophobie.
Durch mehr kriminologische Forschung, zielgenaue Präventionskonzepte, flächendeckende Polizeiausbildung, ausreichende Unterstützung für Opferhilfe-Einrichtungen.
„Schwul“ ist das Top-Schimpfwort auf deutschen Pausenhöfen. Wir brauchen viel mehr Aufklärungsarbeit an den Schulen. Wir brauchen Lehrkräfte, die beim Thema Homosexualität nicht rot werden.
Wo bleiben die lesbische Vorstandsvorsitzende oder der schwule Industriekapitän? In den Chefetagen herrscht Monokultur: Mann, weiß, heterosexuell, verheiratet. Es wird Zeit, hier für Diversity zu sorgen. – Von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ist hierzu leider nicht viel zu hören.
In Programmen gegen Rechtsextremismus kommt das Thema Homophobie bislang kaum vor. Das muss sich ändern. Aber auch in manchen Migrationscommunities ist Homophobie weit verbreitet. Wir brauchen zielgenaue Aufklärungs- und Begegnungsprogramme. Und das Thema gehört in den Lehrplan der Integrationskurse.
Lesben und Schwule sind bis heute Bürgerinnen und Bürger minderen Rechts. Insondere durch den Widerstand der Union sind gleichgeschlechtliche Paare trotz Eingetragener Lebenspartnerschaft rechtlich noch nicht gleichgestellt. Auch das wollen wir endlich ändern.