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Mit der Quote gegen männliche Monokultur

15.08.2010 So ungefähr könnte es sich im Jahr 2017 ereignen: Die „Tagesschau“ macht auf mit der Nachricht, dass es der deutschen Wirtschaft so gut geht wie lange nicht mehr. Deutsche Unternehmen sind weltweit führend in Sachen Innovationsfähigkeit und Unternehmenskultur. Hauptgrund: Die Führungsetagen sind weiblicher geworden, dank der vor sieben Jahren eingeführten Quote von mindestens 40 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten. Ein frischer Wind weht durch die Chefetagen, die Bilanzen der Unternehmen zeigen, dass die Entscheidung richtig war.

Schön wär’s, wenn diese Vision Wirklichkeit würde – und gut für unsere Wirtschaft. Norwegen führte diese Quote schon 2007 ein. Der norwegischen Wirtschaft hat sie nicht geschadet, vielmehr ist mit der Anzahl der Frauen der Bildungsgrad in den Aufsichtsräten deutlich gestiegen. Frankreich, Spanien und die Niederlande machen sich jetzt auf den gleichen Weg. Sogar in Osteuropa kommen Frauen leichter nach ganz oben als hierzulande. Und bei uns?

Gerade hat eine DIW-Studie wieder die bittere Wahrheit ans Licht gebracht: Je weiter man nach oben blickt, desto dünner wird die Luft für Frauen in deutschen Unternehmen. Nur 2,5 Prozent der Vorstände in den 200 größten Firmen sind weiblich, in den Aufsichtsräten sind es magere zehn Prozent, obendrein verdienen die paar Frauen, die es nach oben schaffen, im Schnitt fast ein Drittel weniger als die Herren auf den Chefsesseln. Für deutsche Unternehmen, die international tätig sind, ist der minimale Frauenanteil peinlich. Ihre Verhandlungspartnerinnen aus den USA wundern sich, warum sie es nur mit Männern zu tun haben. Für ein modernes Unternehmensimage und internationale Aufträge ist das nicht förderlich.

Das Hauptargument gegen die Quote, Qualität setze sich unabhängig vom Geschlecht durch, ist falsch. De facto ist für die meisten Frauen an der „gläsernen Decke“ Schluss. Die vorherrschende männliche Monokultur hat ihre festen Mechanismen, die Frauen auf dem Weg nach oben an unsichtbare Stoppschilder prallen lassen. Das belegen zahlreiche Studien, es gibt dazu einen ganzen Berg an Literatur. Das vermeintliche Risiko, mit einer Quote für mehr Frauen würde weniger Kompetenz in die Chefetagen kommen, ist ein Scheinargument.

Falsche Personalentscheidungen wird es immer geben – bei Männern und bei Frauen. Wer glaubt, die deutsche Wirtschaft könne ruhig auf die weiblichen Talente verzichten, irrt. Der Fachkräftemangel wird es zeigen. Zudem ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein höherer Frauenanteil in Toppositionen zu einem höheren Gewinn der Firmen führt. Nicht etwa, weil Frauen die besseren Menschen sind, sondern weil es klüger ist, wenn Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden.

Wir wollen die gläserne Decke durchstoßen. Deutsche Aufsichtsratssitze sollen ab 2017 zu mindestens 40 Prozent mit Frauen besetzt sein. Es wird Zeit, dass die Bundesregierung ihren Widerstand aufgibt und erkennt, dass es freiwillig eben nicht geht. Der Bundestag muss ein Gesetz auf den Weg bringen, das eine solche Quote bis 2017 verpflichtend einführt. Sonst wird es in zehn Jahren in der „Tagesschau“ heißen: schlechte Noten für die deutsche Wirtschaft – Unternehmen in Sachen Innovationsfähigkeit, Krisenfestigkeit und Unternehmenskultur weltweit abgehängt.

Der Artikel ist am 15.08.2010 in der Welt am Sonntag erschienen.