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Start > Interviews > Süddeutsche

"Wir werden in NRW regieren"

24.02.2010 Renate Künast im Interview mit der Süddeutschen Zeitung über Wahlchancen der Grünen.

SZ: Frau Künast, dürfen wir mal Ihre Schuhsohlen sehen?

Künast: Wieso? Die sind ganz normal. SZ: Wir dachten, Sie trügen da jetzt schon eine grüne 18. So wie einst Guido Westerwelle seine gelbe.

Künast: Ich freue mich immer über gute Umfragewerte für die Grünen, aber ich nehme sie nicht zum Anlass für Klamauk a la Guido. Ich weiß sie zu bewerten und bleibe da Heber demütig und seriös. Gute Umfragewerte drücken Erwartungen aus, denen wir gerecht werden müssen. Die Menschen halten uns für zukunftsorientiert und glaubwürdig. Sie weisen uns übrigens auch immer mehr Kompetenz in Wirtschaftsfragen zu.

SZ: Dann werden die Grünen am Ende noch eine Volkspartei?


Künast: Es gibt sieher Regionen und Städte, in denen wir faktisch so etwas wie eine Volkspartei sind. Aber mit dem Begriff habe ich trotzdem Probleme.

SZ: Wieso?

Künast: Weil dem Begriff Volkspartei auch eine negative Bedeutung anhaftet: die Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, der ins Nichts führt. Da will ich die Grünen nie sehen. Andererseits stimmt es: Grüner Politik geht es ja ums Ganze. In der Breite der Gesellschaft trauen uns die Menschen viel zu. 48 Prozent der Mensehen können sich vorstellen, Grüne zu wählen.

SZ: Gilt das auch für Nordrhein-Westfalen, wo im Mai gewählt wird?

Künast: Merkel und Westerwelle werden in NEW die Quittung für soziale Spaltung und längere Atomlaufzeiten erhalten. Da ist jedenfalls einiges für uns drin.

SZ: Also doch die grüne 18. . .?

Künast: Zuletzt hatten wir in Umfragen in NEW elf Prozent. Die sollten es mindestens werden. Eins mehr nähme ich auch noch. Jedenfalls ersehne ich den Tag, an dem wir um 18.05 Uhr sagenkönnen: Die schwarz-gelbe Mehrheit ist weg, im Bundesland, aber auch im Bundesrat. Das wird am 9. Mai passieren.

SZ: Und dann bilden Union und SPD eine große Koalition in Düsseldorf, ganz ohne die Grünen.


Künast: Wieso sind Sie da so sieher? Ich glaube nicht, dass das im Interesse aller Beteiligten ist. Im Übrigen stelle ich mir vor, dass es am Ende Eot-Grün gibt. Das ist unsere erste Wahl. Wenn sich die SPD anstrengt, schaffen wir das auch.

SZ: Komischerweise wartet alle Welt auf Schwarz-Grün in NRW.

Künast: Das ist ja auch nicht ausgeschlossen. Aber dass wir Schwarz-Grün nicht ausschließen, heißt ja noch lange nicht, dass wir es auch machen werden. Ich sehe an erster Stelle, dass alle auf grüne Politik warten. Dafür treten wir an.

SZ: Immerhin wäre es ein Modell für den Bund - um endlich mal wieder mitregieren zu können.


Künast: Natürlich würden wir auch im Bund gerne wieder regieren, aber jetzt ist nicht 2013. Es gibt jetzt Wichtigeres zu tun, als nachts schweißgebadet über Farbenspiele nachzudenken. Wir müssen uns doch jetzt fragen, was wir in den nächsten zwei Jahren für das Land auf den Weg bringen. Und da liegen ja noch ungeahnte Möglichkeiten. Wenn der 9. Mai der Tag ist, an dem es für Schwarz-Gelb vorbei ist, dann kommt mehr Verantwortung auf uns zu, gerade bei der Mehrheitsbildung im Bundesrat.

SZ: Da sind Sie sich Ihrer Sache aber sehr sicher. Dazu müssten Sie in NRW erst einmal mitregieren.


Künast: Die Chance ist sehr groß, dass wir nach dem 9. Mai in NRW an einer vierten Landesregierung beteiligt sind.

SZ: Wenn Sie vor der Wahl stünden, ein nettes Abendessen mit Sigmar Gabriel oder mit Angela Merkel, mit wem gingen Sie aus?

Künast: Hm. Eigentlich Gabriel. Wissen Sie warum? Mit dem war ich noch nie abendessen. Mit Merkel kenn ich das schon, haben wir schon gemacht.

SZ: Und, war es nett?

Künast: War nett, ja.

Interview: Michael Bauchmüller und Daniel Brössler