Aigner hüpft zu kurz
(30.03.2012) Nach jahrelangen Ankündigungen hat Bundesministerin Aigner nun endlich eine Verordnung zur Haltung…
mehr(30.03.2012) Nach jahrelangen Ankündigungen hat Bundesministerin Aigner nun endlich eine Verordnung zur Haltung…
mehr(29.03.2012) Zum 1. April 2012 wird es in Deutschland keine einheitlichen Regelungen zur Legehennenhaltung mehr…
mehr(12.03.2012) Der Bundesrat hat den Ausstieg aus der Käfighaltung für 2023 beschlossen. Aus fadenscheinigen…
mehr
August 2010: Renate Künast im Interview mit Frau im Spiegel.
Frau im Spiegel: Sie kommen frisch aus dem Urlaub. Was zieht Sie jedes Jahr in die Holsteinische Schweiz?
Mein Lebensgefährte kommt daher. Mir gefällt diese wunderbare Gegend mit ihren vielfältigen Möglichkeiten, den vielen Seen und der reichhaltigen Tierwelt. Zum Beispiel nisten dort wieder Seeadler. Schön ist auch das holsteinische Musikfestival, wo man in Scheunen oder Schiffswerften tolle Konzerte hören kann. Das ist sehr entschleunigend und erholsam.
Frau im Spiegel: Erholsam sind auch Umfragen, die die Grünen bei 20% sehen. Was macht die Grünen derzeit so stark?
Wir sind uns treu geblieben und das macht uns glaubwürdig. Wir Grüne orientieren uns an unseren Werten: Gerechtigkeit, Solidarität, Ökologie. Wir haben die Zukunft im Blick, deswegen kämpfen wir gegen den Klimawandel genauso wie gegen eine weitere Verschuldung der Haushalte. Unseren Kindern wollen wir eine lebenswerte Umwelt und nicht nur Schuldenberge hinterlassen. Wir haben Visionen, denken langfristig, aber packen unsere Politik in konkrete Reformschritte.
Frau im Spiegel: Wie erklären Sie sich Ihre eigene Beliebtheit?
Vielleicht weil ich genau erkläre, wie und was ich denke und was ich konkret tun möchte. Und dass ich bei aller Schärfe in der politischen Auseinandersetzung immer Respekt walten lasse und mich nicht auf Kosten anderer profiliere.
Frau im Spiegel: 40 % der Berliner wollen sie als nächste Regierende Bürgermeisterin. Ist das Ansporn oder Druck?
Gute Umfragewerte, egal für wen, bedeuten große Verantwortung, weil die Menschen damit Erwartungen ausdrücken. Ich versuche, unabhängig vom äußeren Ansehen zu sein, mir selber treu zu bleiben, meine eigene Linie mit meinen eigenen Werten zu wahren.
Frau im Spiegel: Was fasziniert Sie an der Berlin?
Berlin ist eine Stadt mit Vielfalt, die immer summt und klingt. Hier gibt es alle Lebens-entwürfe, alle Kulturen. Berlin ist keine fertige Stadt, sie ist ständig im Werden.
Frau im Spiegel: Beenden Sie bitte den Satz: Der Beruf des Politikers ist….
…kein einfacher Job. Es ist ein Zeitfresser und man muss ständig langfristige Prozesse anschieben.
Frau im Spiegel: Gab es Momente, in denen Sie hinwerfen wollten?
Nein, ich kenne nur Momente, in denen ich dachte: Jetzt Urlaub! Sofort, und zwar drei Wochen am Stück. Einfach abschalten und Freiheit erleben.
Frau im Spiegel: Freiheit?
Ja, nicht ständig aufs Handy schauen, keine Termine haben, mal einen Tag vertrödeln: Tee trinken, Kuchen backen, auf einer Wiese sitzen und die Eichhörnchen beobachten, die sich im Haselnussbusch vergnügen. Dafür die Ruhe zu haben und die Zeit einfach vergehen zu lassen – das erdet und macht den Kopf wieder frei.
Frau im Spiegel: Wobei erholen Sie sich noch?
In Stressphasen nehme ich mir die Zeit für Saunabesuche, Massage und Shiatsu. Sich nur auf den eigenen Körper zu konzentrieren hilft, die Gedanken zu sortieren und die wichtigen Dinge heraus zu filtern.
Frau im Spiegel: Sie toben sich gerne im Garten aus…
Früher habe ich meinen Vater verspottet: Der guckt sogar noch den Rosen beim Verduften zu! Mittlerweile empfinde ich es selbst als Wohltat zu sehen, wie Dinge wachsen und sich entwickeln., Alte, fast ausgestorbene Sorten anzupflanzen und so ganz praktisch Artenvielfalt zu betreiben, das finde ich schön.
Frau im Spiegel: Ihr großer Traum soll ein eigenes Gewächshaus sein?
Ja, ein Gewächshaus mit vielen Farnsorten, mittendrin ein paar Korbstühle und ein Tisch, wo ich Gäste mit selbstgekochtem Essen verwöhne. Kochen ist eine kreative Tätigkeit und ich bin ein wandelndes Kochbuch. Vielleicht bringe ich mal ein Künast-Kochbuch heraus.
Frau im Spiegel: Was kochen Sie?
Vom Aprikosen-Ingwer-Kuchen über Königsberger Klopse bis zur italienischen oder thailändischen Küche. Wichtig sind mir gute Zutaten - möglichst Bioprodukte und saisonale Waren– sowie eine Vielfalt auf dem Teller. Nur wenn man die Vielfalt der Arten wirklich kauft, können Landwirte sie auch produzieren.
Frau im Spiegel: Was ist das Besondere an Ihrer Küche?
Ich bringe gerne Aromen zueinander. Nehmen Sie ein Fischfilet, umwickeln es mit einem Stück Bacon, ein Hauch Rosmarin und ganz wenig Knoblauch dazu und das Ganze für 15 Minuten in den Backofen. Hmh, das schmeckt!
Frau im Spiegel: Eine Eigenkreation?
Ich besitze fast 90 Kochbücher von Jamie Oliver über Tim Mälzer bis hin zur asiatischen Küche. Da suche ich mir die besten Rezepte raus und entwickele sie oftmals weiter oder wandele sie ab, wenn ich nicht alle Zutaten bekomme oder neue Ideen habe. Das ist für mich Genuss und gutes Leben.
Frau im Spiegel: Welche Eigenschaft Ihres Sternzeichens trifft auf Sie zu? Schützen sind eitel.
Eitel? Nein, bin ich nicht. Schützen sagt man doch eher nach, zielstrebig, zielgenau und kühl zu sein. Ich erscheine auf den ersten Blick auch eher kühl und rational, obwohl ich in Wahrheit ganz emotional bin.
Frau im Spiegel: … halten keine Langeweile aus.
Das stimmt, aber ich komme auch selten in diesen Zustand.
Frau im Spiegel: … gelten als ungeduldig.
Ja, im Sinne von: Ich muss die Dinge antreiben!
Frau im Spiegel: Sie bezeichnen sich als neugierig und unfertig.
Die letzten zehn Jahre habe ich zu Biologie und Umwelt Dinge gelernt, von denen ich in der Schule nie etwas gehört habe. Langsam verstehe ich, wie in der Natur alles zusammenhängt. Oder wenn man mir erklärt, wie man ein altes Gebäude so saniert, dass es plötzlich nur noch 40 Prozent der vorherigen Energie braucht. Die Erfahrung, was man alles wissen kann, wenn man neugierig ist, fasziniert und motiviert mich. Deswegen gilt auch: Kinder nie einengen, sondern sie immer neugierig halten.