Aigner hüpft zu kurz
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© Jüdisches Museum Berlin, Foto: Ernst Fesseler
Das Jüdische Museum feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Jubiläum mit zahlreichen Festveranstaltungen. Den Höhepunkt bildete der Publikumstag am 30. Oktober 2011. Mehr als 6.000 Menschen feierten das Jubiläum mit Musik, Aktionen und Promi-Führungen. Auch Renate Künast durfte sich erstmalig als Museums-Guide versuchen. Ein spannender Job. Als Thema suchte sich Renate Künast die Geschichte eines jungen Mädchens namens Lore Gutwillig aus. Es ist eine Geschichte vom Glück in schwerer Zeit.
Im Novemberpogrom 1938 verwüsteten SA-Männer die Wohnung der Familie von Lore Gutwillig. Ihr Bruder Arthur und ihr 72jähriger Großvater wurden verhaftet, aber umgehend nach Hause zurück geschickt. Es sei „ein Wunder“ gewesen, sagt Lore Holtz-Gutwillig, wie viel Glück ihre Familie immer wieder gehabt habe.
Auch Lore Gutwillig konnte noch vor Kriegsbeginn gerettet werden. Sie hatte die Möglichkeit, mit einem Kindertransport nach England auszuwandern und stimmte zu. Am 14. Dezember 1938 brachte die Mutter die damals Vierzehnjährige zum Mannheimer Bahnhof. Mit dem Schiff wurde sie zusammen mit 600 anderen Kindern nach England gebracht und kam bei Pflegeeltern in Manchester unter.
Alle Familienmitglieder konnten aus Deutschland emigrieren: Die Mutter und die Großeltern wanderten über Schweden und England nach Palästina aus. Auch eine Schwester emigrierte nach Palästina. „Der Krieg hat gewartet, bis wir alle draußen waren“, sagt Lore Holtz-Gutwillig. Sie lebt heute in der Schweiz.
Viele Kinder hatten nicht dieses Glück. Bis Kriegsbeginn konnten 10.000 Kinder aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei und Polen nach England gebracht werden. Der letzte Kindertransport verließ Deutschland am 1. September 1939. Mehr als 10.000 Kinder, die bereits zur Einreise nach England angemeldet waren, konnten infolge des Kriegsbeginns nicht mehr gerettet werden.